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Yogaphilosophie und mentales Yoga

Der wichtigste Baustein des Yoga ist seine Philosophie. Leider wird bei uns im Westen dieser wichtige Punkt oft vernachlässigt, was auch daran liegt, dass sprachlich nur wenige Quellen zugänglich sind, die man bedenkenlos weitergeben kann. Bei uns fokussiert sich Yogaphilosophie meist auf die Yoga-Sutras von Patanjali oder die Werke einiger männlicher Siddhas. Dazu sei gesagt, dass Indien im Vergleich zu Deutschland ein sehr großes Land ist, das eine ähnliche geschichtliche Entwicklung durchlaufen hat, wie wir in Europa mit dem Christentum. Auch dort sind aus dem einen ursprünglichen viele verschiedene Linien (engl. Lineage) entstanden, mit eigenen Lehren und Ritualen und einer eigenen Weltsicht. Ähnlich kann man das auch im Buddhismus beobachten - und diese Sätze hier schneiden dieses komplexe Jahrhunderte umfassende Thema nur grob an, um einen ersten Einblick zu geben.

Im westlichen Yoga nach Patanjali arbeiten wir mit den Yamas und den Niyamas. Doch in Patanjalis Yoga Sutras finden wir nur jeweils fünf, also insgesamt zehn solcher Lebensregeln. Im Śāradā-Tilaka-Tantra ('Sarasvati's Ornament', Kapitel 25) gibt es jedoch jeweils zehn Yamas und zehn Niyamas und diese 20 Regeln ermöglichen einen tieferen Einblick in die Grundlagen der yogischen Lebensphilosophie.

Patanjali hat die Yamas und Niyamas in seinem 8-stufigen Weg des Raja-Yoga den Asanas und dem Pranayama vorangestellt, aus dem einfachen Grund, dass wenn wir nur Körperübungen (Asanas) machen, sich unser Leben nicht ändert. Diese körperliche Betätigung schafft zwar Entspannung, aber ohne die nachhaltige innere Arbeit an der Psyche schaffen wir keine wesentliche Veränderung. Im Gegenteil, Yoga kann einen Idioten auch zu einem noch größeren Idioten machen - weil die Mechanismen, die das Ego (bzw. das 'falsche Selbst') füttern und die Wege es zu befreien für einen Laien sehr nah beieinander liegen.

Hier kommen nun die 20 Yamas und Niyamas. Achtung, viele der hier verwendeten Ausdrücke sind durch unseren christlichen Hintergrund negativ belastet. Doch es sind nur Worte und sie können nichts dafür! Wie man diese Begriffe richtig, positiv und unserem heutigen westlichen Leben angemessen versteht, könnt Ihr in den nächsten Wochen auf meinem Blog nachlesen.

Die zehn Yamas
Die yogischen Lebensregeln (auch Einschränkungen)

1. Ahimsā: Nicht-Verletzen in Gedanken, Worten und Taten (Kommentar: "wenn die Intention 'Ich werde niemanden verletzen' täglich in die Tat umgesetzt wird, so ist das ahiṃsā")

2. Satya: Die Verpflichtung zur Wahrheit in Gedanken, Worten und Taten (Kommentar: Wenn die Absicht unseres Verstandes darin liegt, nichts zu sagen was nicht wahr ist, als tägliche Übung, das ist Satya.)

3. Asteya: Es unterlassen zu stehlen (z.B. die Zeit und Energie anderer, etc.)

4. Brahmacarya: Sexuelle Zurückhaltung/Mäßigkeit (das bedeutet für Nicht-Verzichtende sexuelles Verlangen weder zu unterdrücken noch ihm zu frönen).

5. Krpā: Mitgefühl, Sanftheit, Freundlichkeit, Barmherzigkeit.

6. Ārjava: Geradlinigkeit, Aufrichtigkeit, Fehlen von Hinterhältigkeit

7. Ksamā: Geduld, Toleranz, Nachsicht

8. Dhrti: Beständigkeit, Stetigkeit, seelische Kraft, Entschlossenheit; auch Zufriedenheit, Fröhlichkeit, Ausgeglichenheit (personifiziert ist Dhrti die Ehefrau des Dharma. „Ein Geisteszustand, der aus dem nicht-ergreifen gewünschter Objekte entsteht.“)

9. Mītāhāra: Moderates Essen

10. Śauca: Sauberkeit, Reinheit


Die zehn Niyamas
Das, was von selbst aus dem Einhalten der Yamas entsteht (Werthaltungen die von alleine innerlich entstehen)

1. Tapas: Disziplin

2. Santosha: Zufriedenheit

3. Āstikya: Frömmigkeit, Ergebenheit, Glaube (Die Überzeugung, dass das was am meisten real und essentiell ist, für unsere Augen nicht sichtbar ist).

4. Dāna: Großzügigkeit, Geben, Gemeinnützigkeit

5. Devasya pūjā: dem Göttlichen zeremonielle Opfer darbringen (Kommentar: „Hindernisse beseitigen, die den Weg zur Befreiung der Seele behindern“).

6. Siddhānta-śravaṇa: Sich mit den Schriften (über Yoga) und den Lehren über den Weg der Befreiung beschäftigen.

7. Hrī: Demut (auch Fähigkeit sich Fehler einzugestehen)

8. Mati: Reflexion, Kontemplation, Selbst-Befragung (Self-Inquiry). Personifiziert gilt Mati als die Ehefrau der Einsicht.

9. Japa: Wiederholen von Mantras

10. Huta: Opfer, Opfergaben (auch Feuerrituale)

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Übersetzung Namas/Niyamas Sanskrit-Englisch von Christopher Hareesh Wallis - www.hareesh.org
Übersetzung ins Deutsche von Daniela Meixner mit Erlaubnis von Hareesh.