Rauhnächte – die zwölf heiligen Nächte zwischen den Jahren

Rauhnächte – die zwölf heiligen Nächte zwischen den Jahren

Rauhnächte - die zwölf heiligen Nächte zwischen den Jahren

Die Rauhnächte finden in den letzten Jahren wieder zunehmend Bedeutung, vor allem in spirituellen Kreisen aller Arten, sowie unter Yogi*nis. Doch wer in diesen Kreisen nicht allzu viel unterwegs ist oder diese eher kritisch betrachtet, der weiß damit meistens nicht allzu viel anzufangen. Da ich persönlich als Yogini und Heilpraktikerin für Psychotherapie diese Zeit für sehr wertvoll halte, möchte ich hier versuchen, auch den eher zurückhaltenden Menschen einen Weg zu öffnen, wie man als moderner Mensch des 21. Jahrhunderts diese alten Bräuche für sich nutzen kann – und zwar auf eine sehr geerdete neuzeitliche Weise.

Die Rauhnächte – wie die zwölf heiligen Nächte entstehen

Am 21. Dezember feiern wir in der nördlichen Hemisphäre die Wintersonnwende. Dieser Tag mit der längsten Nacht und dem dunkelsten Tag galt früher als die Wiedergeburt des Lichts. Ein Mondjahr besteht aus 354 Tagen, demnach fehlen 11 Tage (12 Nächte) zu unserem Sonnenjahr mit 365 Tagen. Das sind die Rauhnächte. Sie beginnen in der Nacht von 24./25. Dezember und enden in der Nacht vom 5./6. Januar – es gibt aber auch andere Auslegungen.

Die Menschen hatten in früheren Zeiten nur wenig Zugang zu Bildung oder Wissenschaft und waren dem entsprechend abergläubisch. Jedoch wussten sie um die Mondphasen und die Sternzeichen, sie haben das Wetter von Himmel abgelesen und waren viel tiefer mit der Natur und ihren Zyklen verbunden, als wir das heute sind. Wir leben in einem Zeitalter der Technik, sind belastet von Stress, weil es eigentlich nicht der menschlichen Natur entspricht in Betonblöcken zu Leben und sich mit Elektrizität zu umgeben. Eine der Tücken des technischen Zeitalters ist, die Verbindung zur Natur, zur Erde und unserer Umwelt zu verlieren. Wir leben in einer Zeit, in der Waldbaden von der Krankenkasse bezuschusst wird – wenn ich nur daran denke höre ich die alten Priester*innen über uns lachen!

Alte Bräuche in neuem Gewand

An diesen zwölf Tagen und Nächten wurde viel orakelt, man verbrachte diese Zeit im engsten Familien- und Freundeskreis ohne zu arbeiten. Während dieser Zeit wird die Aufmerksamkeit nach Innen gelenkt, und dieses nach Innen wenden nennt man im Yoga Pratyahara (die fünfte Stufe im achtfachen Yoga des Patañjali).

In der heutigen Welt sind unsere Sinne nach Außen gerichtet, wir werden täglich von mehr Sinneseindrücken überflutet, als unser Bewusstsein verarbeiten kann, nehmen all diese Eindrücke aber unterbewusst auf. Als Folge schlafen und/oder träumen wir schlecht, knirschen mit den Zähnen, fühlen uns gestresst und ausgelaugt, weil uns die Techniken fehlen uns von diesen unterbewussten Eindrücken zu reinigen. Das Yoga bietet hierzu zahlreiche Lösungen an, zumindest für all diejenigen, für die Yoga so viel mehr ist, als nur ein Sport.

Wir können uns als moderne Menschen den Luxus gönnen, uns diese zwölf Tage als Auszeit zu nehmen. In der Dunkelheit und Kälte des Winters ziehen sich auch die Kräfte der Natur nach Innen zurück, um sich zu regenerieren und sich mit der Rückkehr des Lichts in neuer Kraft und voller Pracht zu entfalten. Aber wir Menschen setzen alles daran, uns im Außen abzulenken, anstatt von der Natur zu lernen und einfach mal inne zu halten.

Ein moderner geerdeter Weg der Reflexion

Die Rauhnächte bieten uns über zwölf Tage hinweg verschiedene Themen an und sind in sich ziemlich gut strukturiert. In der heutigen Zeit ist es wichtig, unsere Finger einfach mal von all den Dingen zu lassen, mit denen wir uns konsequent ablenken – oder diese zumindest zu reduzieren. Auch gilt es darauf zu achten, unser Unterbewusstsein frei zu halten von all den Dingen, die wir unterbewusst aufnehmen. Ich sage nicht, dass du nun für zwei Wochen den Fernseher ausschalten sollst, ich sage wähle bedacht aus, womit du deinen Geist fütterst. Schau dir lieber einen inspirierenden Film im Streaming ohne Werbung an, als dich mit zu viel Geschnatter zu umgeben.

Das empfiehlt sich übrigens nicht nur für die Rauhnächte, sonden auch für jeden anderen Tag – nur da wir das im Alltag oft nicht hinbekommen, können uns die Rauhnächte eine Art geistiges Fasten anbieten. Denn vor lauter Angeboten und Überfluss wissen viele von uns schon gar nicht mehr was eigentlich wichtig ist – und den Kontakt nach Innen, zu unserem inneren Sein, den finden wir nicht, solange wir uns permanent im Außen ablenken.

Vorbereitung

Um diese zwölf heiligen Nächte zu betreten, braucht es ein wenig Vorbereitung, die uns hilft das Jahr zu beenden. Erledige alles was noch offen ist. Gib Gegenstände zurück, die du dir geliehen hast. Begleiche offene Rechnungen. Sprich aus, was gesagt werden muss. Danke den Menschen, die dir geholfen haben. Und wenn du möchtest, besorge dir Kerzen und Räucherwerk.

Eine Übersicht der Themen der zwölf Rauhnächte (immer von 0 Uhr bis 24 Uhr):

25. Dezember: Januar – Erdung und das Ehren unserer Wurzeln und Herkunft
26. Dezember: Februar – Verbindung mit der inneren Stimme und Weisheit
27. Dezember: März – Die Öffnung des Herzens, sich um Herzensangelegenheiten kümmern
28. Dezember: April – Energetische Reinigung
29. Dezember: Mai – Freundschaft und Selbstliebe
30. Dezember: Juni – Loslassen
31. Dezember: Juli – Vorbereitung auf das neue Jahr (und vielleicht noch mehr Loslassen)
1. Januar: August – Öffnung und Segnung den neuen Jahres
2. Januar: September – Glückseligkeit
3. Januar: Oktober – Inspiration und Lebenkraft
4. Januar: November – Reflexion der Lebensaufgaben
5. Januar: Dezember – Räuchern, Reinigung und Abschluss

Zusätzlich besteht an jedem Tag die Möglichkeit sich intuitiv in die Tagesenergie einzufühlen und daraus eine Art Vorhersage auf den entsprechenden Monat des kommenden Jahres in einem Rauhnacht-Tagebuch festzuhalten. Im Verlauf des Jahres kann man dann überprüfen, wie gut die Intuition gewesen ist. Dazu kannst du auch Orakelkarten benutzen. Es soll ja auch Spaß machen und diesen Punkt müssen wir nicht allzu ernst nehmen. Und falls wir an einem der Tage ein weniger gutes Bauchgefühl haben, können wir positive Energie und Affirmationen im Geist nach Vorne in die Zukunft schicken, damit sich die Dinge besser entwickeln können. Die Energie folgt den Gedanken; sie fließt im Yoga über den Atem in unseren Körper oder in der Meditation an den Ort, an dem unsere Aufmerksamkeit ist. Und das kann auch ein Zeitpunkt in der Zukunft sein. Diese Option kannst du aber auch einfach weglassen.

Der einfachste und westlichste Weg durch die Rauhnächte besteht in ein klein wenig geistigem Fasten. Lass den Geist jeden Tag für einen kurzen Moment zur Ruhe kommen und reflektiere das Thema des Tages. Versuche nicht so viel im Außen zu machen und bleib bei dir Selbst. Meditation hat viele Gesichter und findet auch mal in der Badewanne statt. Lass los und tanze in Glückseligkeit. Und nimm möglichst viel davon mit ins kommende Jahr.

Im Winter 2020/2021 werde ich auf meiner Facebook-Seite zu jeder Rauhnacht ein paar Anregungen geben. Am Tag der energetischen Reinigung gibt es wie jedes Jahr den Rauhnacht-Workshop, dieses Jahr im Onlineformat.

Möge dein kommendes Jahr mit Gesundheit und Glück gesegnet sein.

Blessed be!
xxx

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